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Mikrofon fürs Streaming, für Leute die noch nicht streamen

Die Raumakustik entscheidet mehr als das Mikrofon. Zwei Handtücher bringen oft mehr als hundert Euro Aufpreis.

Zuletzt geprüft am 14.8.2026 · 7 Minuten Lesezeit

15–20 cm
richtiger Sprechabstand
Niere
passende Richtcharakteristik
2
Handtücher gegen Hall

Wer zum ersten Mal eine Aufnahme von sich hört, sucht den Fehler meistens beim Mikrofon. In den meisten Fällen liegt er woanders: beim Abstand, beim Raum und bei der Ausrichtung. Ein Mikrofon für achtzig Euro in einem gedämpften Raum klingt besser als eines für dreihundert in einem leeren Zimmer.

Die Reihenfolge, in der es besser wird

Erstens der Abstand. Fünfzehn bis zwanzig Zentimeter zum Mund, nicht sechzig. Aus einem halben Meter Entfernung nimmt jedes Mikrofon vor allem den Raum auf. Aus zwanzig Zentimetern nimmt es die Stimme auf und den Raum nur nebenbei. Das ist der Grund für Mikrofonarme: nicht Optik, sondern Abstand.

Zweitens der Raum. Reflexionen an nackten Wänden sind das, was als hallig wahrgenommen wird. Ein Teppich, ein Vorhang, ein gefülltes Bücherregal und, falls nötig, zwei aufgehängte Handtücher hinter dem Sprechplatz ändern den Klang deutlich hörbar. Das kostet nichts und schlägt jeden Gerätewechsel.

Drittens die Ausrichtung. Die meisten Einsteigermikrofone nehmen von vorne auf, nicht von oben. Ein Mikrofon, das aufrecht auf dem Tisch steht und in die Decke zeigt, nimmt genau das auf: die Decke. Es muss auf den Mund zeigen.

Erst danach lohnt es, über das Gerät nachzudenken.

Richtcharakteristik verstehen

Für eine Person, die alleine spricht, ist Niere richtig. Das Mikrofon nimmt von vorne auf, seitlich abgeschwächt und von hinten fast gar nicht. Damit fallen Tastatur, Lüfter und Straßenlärm hinter dem Gerät deutlich zurück.

Kugel nimmt aus allen Richtungen gleich auf und ist für Gespräche mehrerer Personen an einem Tisch gedacht. Wer sie versehentlich einstellt, wundert sich über den halligen Klang.

Acht nimmt von vorne und hinten auf und ist für Gespräche zu zweit gegenüber gedacht. Im Alltag selten sinnvoll.

Was den Unterschied zum Headset-Mikrofon ausmacht

Ein Headset-Mikrofon ist auf Verständlichkeit optimiert und filtert kräftig. Das Ergebnis reicht für Absprachen und klingt nach Telefon. Ein Tischmikrofon liefert den vollen Frequenzumfang der Stimme.

Wer beides braucht, koppelt sie: Ton über das Headset, Stimme über das Tischmikrofon. Welche Kopfhörer dazu passen, steht unter Gaming-Headsets.

Anbieter im Überblick

USB-Mikrofon mit Nierencharakteristik

Der Standardeinstieg. Anschließen, Eingang wählen, sprechen.

Preisrahmen 70–150 €

Spricht dafür

  • Sofort einsatzbereit, keine Zusatzgeräte
  • Nierencharakteristik blendet den Raum hinter dem Mikrofon aus
  • Meist mit Kopfhörerausgang zur Kontrolle

Spricht dagegen

  • Klangbearbeitung nur über Software
  • Für mehrere Sprecher an einem Gerät ungeeignet

Mikrofonarm mit Tischklemme

Bringt das Mikrofon in Mundhöhe und entkoppelt es von Tastaturanschlägen.

Preisrahmen 30–80 €

Spricht dafür

  • Richtiger Abstand ohne verrenkte Haltung
  • Tischgeräusche werden nicht mehr übertragen
  • Mikrofon lässt sich wegschwenken

Spricht dagegen

  • Tischplatte muss eine Klemme zulassen
  • Billige Arme sacken mit schweren Mikrofonen ab

Absorber und Popschutz

Schaumstoffelemente hinter dem Sprechplatz und ein Stoffschirm vor dem Mikrofon.

Preisrahmen 20–60 €

Spricht dafür

  • Größter Klanggewinn pro Euro im ganzen Aufbau
  • Wirkt bei jedem Mikrofon, unabhängig vom Preis

Spricht dagegen

  • Sichtbar, in Wohnräumen nicht immer erwünscht

Häufige Fragen

USB oder XLR?
Für den Einstieg USB. Ein XLR-Mikrofon braucht zusätzlich ein Interface oder einen Mischer und liefert erst dann einen Vorteil, wenn man mehrere Quellen mischt oder ein bestimmtes Mikrofon einsetzen will. Wer mit USB anfängt und später wechselt, hat nichts verloren, weil sich USB-Mikrofone gut weiterverkaufen.
Warum klingt meine Aufnahme hallig?
Weil der Raum den Klang bestimmt und nicht das Mikrofon. Nackte Wände, ein Laminatboden und ein leerer Schreibtisch erzeugen Reflexionen, die das Mikrofon mit aufnimmt. Ein Teppich, ein Vorhang und ein Regal mit Büchern ändern daran mehr als jeder Gerätewechsel.
Brauche ich einen Popschutz?
Ja, und er kostet fast nichts. Explosivlaute wie P und B erzeugen einen Luftstoß, der die Membran direkt trifft und als dumpfer Knall aufgenommen wird. Ein Schaumstoffaufsatz hilft etwas, ein gespannter Stoffschirm im Abstand von wenigen Zentimetern deutlich mehr.

Passend dazu

Gaming-Headsets

Klinke, USB oder Funk. Der Anschluss entscheidet darüber, an wievielen Geräten das Headset später noch funktioniert, und damit über den Preis pro Nutzungsjahr.

Schreibtisch

Höhe, Tiefe, Tragfähigkeit und Kabel. Vier Maße, die vor jeder Kaufentscheidung stehen und die kaum eine Produktseite vollständig nennt.

Gaming-Stühle

Die Rennsitzform kommt aus dem Auto und löst dort ein Problem, das am Schreibtisch nicht existiert. Was tatsächlich zählt, steht in vier Angaben.

Monitor für die Konsole

120 Hertz, niedriger Eingabeverzug, variable Bildrate. Drei Angaben zählen, eine vierte wird vergessen und ruiniert das Ergebnis.

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